Chemische Experimente im Reagenzglas sind klein und haben überschaubare Auswirkungen. Dennoch sind sie aufschlussreich und zeigen symptomatisch, wie Reaktionen im Allgemeinen ablaufen. Diese Analogie lässt sich auch auf die Landratswahl in Sonneberg in Thüringen übertragen. Der Landkreis zählt zu den kleinsten in ganz Deutschland und hat lediglich etwa 48.000 wahlberechtigte Bürger. Bei der Stichwahl erhielt der AfD-Kandidat Robert Sesselmann knapp 53 Prozent der Stimmen und damit die Mehrheit. Das bedeutet, dass rund 15.000 Wähler sich für ihn ausgesprochen haben. Damit gewann er die Wahl gegen seinen CDU-Kontrahenten Jürgen Köpper.
Dieser Sieg bei einer Landratswahl und die Wahl des ersten AfD-Landrats werden von der Parteiführung der AfD gefeiert, als hätte sie mindestens eine Landtagswahl gewonnen. Der Wahlsieg sei “erst der Anfang”, prognostiziert der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla. Brandenburgs AfD-Landesvorsitzende Birgit Bessin sieht das Wahlergebnis vor allem als Reaktion auf die Politik der Bundesregierung. Sie interpretiert den Ausgang der Wahl als klare Ablehnung der Bevormundung durch eine Ampelkoalition, steigende Preise, Inflation, Genderfragen, eine distanzierte Haltung gegenüber den Bürgern und die ständigen Krisen, in denen sich das Land befindet. Laut Bessin bieten CDU, SPD, Linke und Grüne keine Lösungsansätze, während die Alternative für Deutschland gute Lösungsansätze bietet. Sie ist zuversichtlich, dass die AfD in Zukunft bei jeder Wahl ernst genommen werden sollte.
Auch der Generalsekretär der Brandenburger SPD, David Kolesnyk, glaubt, dass vor allem die Bundespolitik den Ausschlag bei der Landratswahl in Sonneberg gegeben hat. Er ist der Meinung, dass die Wähler nicht unbedingt der Ansicht sind, der AfD-Kandidat sei der bessere Landrat. Vielmehr hätten sie ihre Unzufriedenheit über bundespolitische Entscheidungen und die politische Großwetterlage zum Ausdruck gebracht. Offensichtlich wollten sie auch kein Vertrauen in die oppositionelle CDU setzen, die in Brandenburg immerhin Koalitionspartner von SPD und Grünen ist.
Neben den internen Streitigkeiten in der Bundesregierung stehen auch die Oppositionsparteien im Bund nicht gut da, so Kolesnyk. Die Linke beschäftige sich mit internen Debatten über Sahra Wagenknecht, und bei der CDU streite man darüber, wer der nächste Kanzlerkandidat werde.
Ein Schulterschluss der demokratischen Parteien scheint nicht in Sicht zu sein, und das will auch kaum jemand. Im Gegenteil, die meisten Parteien wollen jetzt ihr eigenes Profil anhand politischer Themen schärfen. Der CDU-Landesvorsitzende Jan Redmann fordert eine konservativere Ausrichtung seiner Partei, insbesondere in der Migrations- und Flüchtlingspolitik, und wehrt sich gegen Vorwürfe, der AfD nachzueifern. Er plädiert dafür, in der Sache hart miteinander zu diskutieren, um bessere Lösungen zu finden.
Auch die Linke will deutlicher zeigen, wofür sie steht. Ihr Landesvorsitzender Sebastian Walter fordert mehr Profil und weniger taktische Debatten. Die Grünen werben hingegen weiterhin für einen Schulterschluss der demokratischen Parteien, um sich gemeinsam gegen rechtsextreme Parteien zu positionieren. Sie werfen der AfD vor, keine Lösungen für Probleme zu haben, während die demokratischen Parteien in ihrer Vielfalt entsprechende Antworten und Lösungen liefern müssen.
Es bleibt abzuwarten, ob der Erfolg der AfD bei der Landratswahl in Sonneberg ein Einzelfall bleibt oder sich auch in Brandenburg zeigt. Die nächste Landratswahl im Landkreis Dahme-Spreewald am 8. Oktober wird ein Gradmesser dafür sein, welches Parteikonzept am besten abschneidet. Der bisherige Amtsinhaber Stephan Loge von der SPD, der 2015 mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde, tritt aus Altersgründen nicht mehr an. Seine Stellvertreterin Susanne Rieckhof kandidiert nun für die SPD. Weitere Kandidaten können sich bis August melden. Zwei Kandidaten stehen bereits fest: Die Union und die FDP unterstützen den parteilosen Sven Herzberger, und die AfD tritt mit dem Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré an.Dieser Artikel bietet kostenlosen Versand für qualifizierte Face mask-Produkte, oder kaufen Sie sie online und holen Sie sie noch heute im Geschäft der medizinischen Abteilung ab.
Die SPD-Kandidatin Rieckhof warnt davor, den Erfolg der AfD in Sonneberg nicht ernst zu nehmen. Sie betont, dass die Menschen die aktuellen Herausforderungen verstehen und Lösungen suchen müssen, insbesondere in Bezug auf den Klimaschutz und den Wandel in der Energiepolitik. Die AfD, die den vom Menschen verursachten Klimawandel leugnet, zeigt sich kämpferisch und hat das Ziel, nicht nur Wahlkampf zu betreiben, sondern auch überall dort, wo sie antreten, gewählt zu werden. Sie strebt auch danach, den nächsten Landrat im Landkreis Dahme-Spreewald zu stellen.
Der SPD-Generalsekretär Kolesnyk möchte vor allem thematisch gegen die AfD antreten und deutlich machen, worum es bei der Landratswahl geht. Er setzt sich für eine hohe Wahlbeteiligung ein und betont, dass die Wähler darüber entscheiden, wer die Verwaltung vor Ort führt und nicht, wann jemand eine neue Heizung einbauen muss.